21. Mai 2018

 

Stille. Einfach nur meditative Stille.

 

Ich glaube, erst heute konnte ich sie zum ersten Mal wirklich wahrnehmen. Da sitzen, auf den Wald schauen, den blauen Himmel und die Wolken beobachten. Wer hat schon das Glück so ein schönes Zuhause haben zu dürfen …. fernab von jeglichem Straßenlärm und am Wochenende glücklicherweise auch von Rasenmäher, Motorsäge oder Traktordröhnen. Nur manchmal hört man weit oben ein Flugzeug.

 

Dabei muss ich ja sagen: als lange gewachsene Großstadtpflanze wäre ich nie in die Pampa gezogen, wäre es nicht für meine Schweine gewesen. Bis ich Pinkie und seine Familie kennen lernte, haben mich Tiere nicht sonderlich interessiert. Keine klassische Tierschützerkarriere also. Ausgenommen vielleicht unsere Schildkröte und Enten, denen hab ich schon immer gern zugeschaut. Alles andere wurde in der penibel gereinigten Stadtwohnung sofort bei Vorfinden standrechtlich exekutiert, egal ob Käfer, Spinne oder was anderes.

 

Naja, in einem Landhaus wäre das nicht so einfach, wenn man es wollte ;-) hier wohnen - zum Entsetzen mancher Besucher/innen - doch vereinzelt Spinnchen, Weberknechte und wer weiß was sonst noch. Obwohl genauso gut geputzt wird wie früher.

 

Draußen im Schuppen nisten Schwalben, die durch das offene Dach rein und raus können. Im Wettstreit zwitschern sie mit den anderen Vögeln, die immer froh sind, ab und zu ein Maiskorn von den Enten oder Schweinen abstauben zu können.

 

Leise quaken die Enten zur Begrüßung, wenn ich vorbei gehe oder etwas lauter, wenn sie Hunger haben. Man glaubt gar nicht, wie subtil sie kommunizieren können!

 

Zwischendurch ein freundlicher Grunzer von Minischwein Alfi, der sich gerade genüsslich in seiner Suhle gewälzt hat und jetzt sein Mittagsschläfchen hält. Oder auch empörtes Quieken, das sich sukzessive steigert, wenn der junge Herr meint Hunger zu haben ...

 

Lauter sind nur die Grillen, die wegen des warmen Wetters schon seit Wochen zirpen, egal ob bei Tag oder bei Nacht. Auch sie verschmelzen perfekt mit dieser Symphonie des Lebens rundherum.

 

In der Wiese, die ich seit Monaten nicht gemäht habe, finden viele Insekten wie Bienen, Schmetterlinge und andere einen Lebensraum, der ihnen sonst nicht mehr geboten wird. Gerne verzichte ich auf einen wöchentlich getrimmten Rasen - sehr unschön, wie ich finde. Statt dessen will ich demnächst noch Wildblumen säen um die Wiese noch schöner und anspruchsvoller zu machen. Das Summen und Brummen der Insekten ist sehr schön und die Wespen auf dem Dach - letztes Jahr waren es Hornissen - halten mir verlässlich die Fliegen vom Leib, die es sonst dutzendweise im Haus gäbe.

 



 

Im Wald kann man, wenn man vorsichtig und ganz ruhig ist, Wildschweine treffen - ich habe schon eine ganze Gruppe Frischlinge beobachten dürfen, sicher unter genauer Aufsicht ihrer Mama. Ein wunderbares Gefühl - man fühlt sich als Teil der Natur, von der wir uns als Menschen schon so weit entfernt haben, wie es kaum vorstellbar wäre.

 

Natürlich gibt es noch viele verschiedene andere Tiere, wie Rebhühner, Hasen oder Fasane und viele mehr.

 

Und ganz viele Rehe kann man hier treffen. Abends laufen sie über die Wiesen und Felder, überall sind sie zu sehen, in allen Größen und Formen und Farben. Vor einigen Wochen habe ich nachts eine ganze Gruppe gesehen, sie standen einfach in der Wiese und wir haben uns lange angeschaut.

 

Ein Gefühl wie von etwas, das wir vor sehr langer Zeit verloren haben: das Sein, mitten in der Natur, als Schöpfung und Teil von ihr; aber sicher nicht als ihre Krönung, denn unsere vielen Mitgeschöpfe, ruhig, geduldig, unschuldig und schön: sie sind es, die die wahre Krone ausmachen auf diesem absolut einmaligen, wunderbaren, sprachlos machenden Planeten. Zu ihnen sollten wir aufblicken, denn sie sind rein und wahrhaftig. Es sind magische Augenblicke, die entstehen, wenn wir ihnen ganz nahe sein dürfen.

 

Unsere Seele bleibt unerweckt, wenn wir nicht die Liebe eines Tieres teilen dürfen. Öffnet ihnen eure Herzen, und ihr werdet nie etwas Besseres und Schöneres finden.

 

 

 

zweiter eintrag: 24. JANUAR 2018

 

SCHWEINE.

 

Sie sind unter den unzähligen wunderbaren Geschöpfen auf unserem herrlichen Planeten etwas ganz besonderes. Schweine sind extrem soziale Tiere, die tiefe Bindungen eingehen – meist in ihren Kindheitstagen, später ist es sehr schwierig sie zu vergesellschaften, denn dann sind die Bande geknüpft und die Familien in sich geschlossen. Den Verlust nahestehender Tiere betrauern Schweine oft lang und heftig; es kann sogar vorkommen, dass sie vor Kummer sterben. Das Sagen haben die Damen: unter den Wildschweinen gibt es eine Leitbache, auch bei den Hausschweinen sind die Anführer meist weiblich. Viel Zeit verbringen die Tiere mit der Futtersuche: mit ihren ebenso kräftigen wie sensiblen Rüsseln können sie fünftausendmal besser riechen als Menschen und finden so selbst tief im Boden noch Essbares. Nebeneffekt: ausnahmslos alles wird umgegraben – ein Segen für Wälder und Felder (zumindest nach der Ernte …).

 

Dass Schweine überaus intelligent sind, und zwar ungefähr wie Kinder im Vorschulalter, ist noch immer weitgehend unbekannt. Die Tiere auszutricksen ist gar nicht so einfach, sie sind sehr neugierig, verspielt und haben eine bemerkenswerte Kombinationsgabe. In Experimenten konnten sie Computerspiele spielen, die Temperatur im Stall selbst regulieren und kamen auf Namensruf zu den Futtertrögen gelaufen.

 

Ihr Drang sich zur Futtersuche fortzubewegen sowie ihre hohe Intelligenz stellen hohe Ansprüche an ihre Unterbringung: sie brauchen viel Raum, bewegliches Material zur Erkundung und die Möglichkeit ihre sozialen Bindungen auszuleben, zum Beispiel in gemütlichen Schlafräumen, in denen sie eng aneinander gekuschelt schlafen. Große Freude haben sie mit frischem Stroh, mit dem sie spielen, sie fressen es aber auch gern und schlafen natürlich bequem und warm darin.

 

Ihre wunderschönen Körper – keineswegs nur rosa, sondern auch schwarz, braun, gescheckt, gefleckt oder gepunktet – sind äußerst robust und dabei doch blitzschnell, obwohl ausgewachsene Tiere durchaus eine halbe Tonne auf die Waage bringen können. Markant ist der Ringelschwanz, den außer Schweinen nur sehr wenige andere Lebewesen aufweisen können. Mit ihren Schwänzchen kommunizieren sie genau wie durch eine Vielzahl von Lauten wie Grunzen, Quieken, Bellen, Knurren und andere mehr.

 

Schweine sind äußerst interessante, liebenswürdige und sehr friedfertige Tiere. Auch mit Menschen gehen sie enge Beziehungen ein. Diejenigen dürfen sich glücklich schätzen: man sagt, Schweine können mehr lieben als andere Tiere.

 

erster eintrag: 9. November 2017

Dies sind unsere Geschichten. 

Die Geschichten von 36 Schweinen und jenen, die uns schon voraus gegangen sind. 

Eines der Schweine ist ein bisschen "anders", es geht aufrecht und der Rüssel fehlt ihm. Aber sonst lebt es ganz normal unter den anderen Tieren, darf bei ihnen liegen und schlafen, mit ihnen spielen und weiden. 

Manchmal wird dieses menschliche Schwein für sich sprechen, manchmal wird es eines der übrigen Tiere sein. Aber egal, wer von uns gerade am Wort ist: unsere Geschichten sind wahr, und sie kommen von Herzen.